„Wir können davon ausgehen, dass die Welt tatsächlich so verrückt ist, wie Einstein hoffte, dass sie es nicht ist“

sagte der Wiener Physiker Anton Zeilinger schon vor Jahren voraus und hat nun wieder mal den Beweis angetreten.

Zukunft beeinflusst die Vergangenheit

In einem Experiment wurde diese Tatsache nun nachgewiesen. Hier der ORF-Artikel.

Die Konsequenzen sind verblüffend und stellen einmal mehr das Bild der klassischen Physik auf den Kopf:

Wie Zeilinger gegenüber der APA betonte, ist das Experiment „nicht nur eine philosophische Spielerei“, sondern hat auch praktische Bedeutung. Eine solche Anordnung und Prozedur mit den vier Photonen würde sich auch für sogenannte „Quanten-Repeater“ eignen, die man in Zukunft dazu nützen könnte, Quantencomputer zu verbinden. So könnte man damit Output und Input von Quantencomputern verknüpfen.

Die Konsequenz daraus klingt unglaublich und zeigt einmal mehr, wie seltsam die Quantenwelt sein kann: „Das bedeutet letztlich, dass ein Quantencomputer in der Vergangenheit mit einem Problem zu rechnen beginnen kann, das von einem Input stammt, der erst in der Zukunft existiert.“

Die Aufgabe der Geisteswissenschaften wird es nun sein, diese Tatsache in die bestehenden Modelle einzuordnen.

Persönlich sehe ich daraus tendenziell ein Indiz für Modelle des Universums, in dem es eigentlich ursprünglich keine Zeit gibt, wie es im uralten Wissen der Spirituellen aus aller Welt verankert war. Letztendlich passiert alles gleichzeitig und verändert die holographisch erlebten Welten gegenseitig. Dies ist eine Idee, die uns oft schwer fiel und nach wie vor schwer fällt, zu verstehen. Wie können Erfahrungen aus „zukünftigen“ Leben, „vergangene“ Leben beeinflussen; umgekehrt scheint es uns ja leichter nachvollziehbar.

 

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Was gilt denn noch als Wissenschaft, um die Frage des Lebens, dem Universum und dem ganzen Rest zu beurteilen?

In von mir durchaus gerne führten Diskussionen in Kommentaren verschiedener Artikel in verschiedenen Blogs zum Thema Spiritualität, Religion und Atheismus, stosse ich nun auf einige Schwierigkeiten, die ich mal kurz zusammenfassen möchte.

Es sind aber keine Spitzfindigkeiten und Dummheiten, so will ich mal behaupten, sondern eigentlich Grundlagen dessen, worüber wir dabei reden und schreiben.

Um Begriffsverwirrungen hintanzuhalten, möchte ich einfach mal auch ein wenig das Modell reduzieren auf zwei Gruppen, die sich dabei  gegenüberstehen:

  1. Die ontologisch, metaphysiche Gruppe, die nach Sinn und Bewusstsein sucht, um die Welt zu erklären – nennen wir sie hier vielleicht die Spirituellen.
  2. Die rein rational, naturwissenschaftliche Gruppe atheistischer Prägung, die Sinn und Geist im Universum ausschliesst, nennen wir sie hier die Atheisten.

Bin gerne bereit, Änderungen an den Definitionen zuzulassen, zu ergänzen, erweitern oder eine dritte Gruppe mit aufzunehmen. Mehr

Hinweise auf eine Seele und ein Bewusstsein nach dem Tod

Hinweis auf die Seele und ein Leben nach dem Tod?

Die kontroverse Diskussion um Evolution oder Schöpfung zeigt, wie schwer das Gespräch zwischen Religion und Wissenschaft zumindest in der Biologie ist. Auch im Darwin-Jahr 2009 hat sich daran nicht viel geändert. Dabei wären die Biologen gut beraten, einmal über den Tellerrand zu schauen. Denn in der modernen Physik sind die Forscher gerade dabei, einen historischen Brückenschlag zwischen Religion und Naturwissenschaft zu realisieren. Dies gilt insbesondere für die Quantenphysik.

So kommen immer mehr Physiker mittlerweile zu dem Schluss, dass menschliches Bewusstsein auch außerhalb des Körpers möglich ist und den Tod überwinden könnte. Dies wäre der erste naturwissenschaftliche Hinweis auf eine unsterbliche Seele. Vorreiter solcher Ideen war der deutsche Physiker Professor Dr. Hans-Peter Dürr. Inzwischen stößt der amerikanische Physiker Jack Sarfatti in ein ganz ähnliches Horn. Seiner Meinung nach enthält die moderne Quantenphysik den Schlüssel für den Dualismus von Leib und Seele. Mehr

Die Seele existiert auch nach dem Tod

http://www.welt.de/wissenschaft/article1938328/Die-Seele-existiert-auch-nach-dem-Tod.html

Die Seele existiert auch nach dem Tod

Menschen mit Nahtoderlebnissen berichten von rätselhaften Phänomenen – häufig von einem Tunnel, an dessen Ende Licht erstrahlt. Auch seriöse Forscher behaupten: Die Seele gibt es wirklich, und das unsterbliche Bewusstsein ist genauso wie Raum, Zeit, Materie und Energie ein Grundelement der Welt.

(Von Rolf Froböse)

Gewöhnlich nur im engsten Freundeskreis berichtet der amerikanische Chemiker James Grant, der mehrere Jahre in Deutschland an einem Max-Planck-Institut tätig war, über ein sonderbares Erlebnis während seines Studiums, das er nicht nur in den USA, sondern auch in London absolviert hatte. Da im Studentenheim kein Platz mehr frei gewesen sei, habe er sich gleich nach seiner Ankunft in eine Warteliste eingetragen. Unerwartet rasch sei jedoch ein Zimmer frei geworden.

Kurz nach dem Einzug sei er eines Nachts aufgewacht und habe in seinem Zimmer im Schein einer Straßenlaterne einen jungen Mann mit schwarzem, lockigem Haar bemerkt. Er habe sich furchtbar erschreckt und dem vermeintlichen Nachbarn gesagt, dass er sich wohl im Zimmer geirrt habe. Doch dieser habe überhaupt nicht reagiert, sondern ihn nur tieftraurig angeschaut. Nach dem Einschalten des Lichtes sei die Gestalt nicht mehr wahrnehmbar gewesen.

„Da ich mir absolut sicher war, dass ich nicht geträumt hatte, erzählte ich am nächsten Morgen der Heimleiterin von der seltsamen Begegnung und beschrieb ihr genau, wie der junge Mann ausgesehen hat“, berichtet Grant. Daraufhin habe diese kurz im Archiv gesucht und ihm ein Foto gezeigt, auf dem er sofort den jungen Mann erkannt habe. Das schier Unglaubliche beschreibt Grant wie folgt: „Als ich sie fragte, um wen es sich handele, erwiderte sie mit bebender Stimme, dass es mein Vormieter gewesen sei, der sich kurz zuvor das Leben genommen habe.“

Die Geschichte klingt nach Halluzination oder Esoterik. Immerhin: Die Quelle ist ein vertrauenswürdiger Naturwissenschaftler. Nicht minder fantastisch ist die Vision, die der schwedische Naturwissenschaftler und Theologe Emanuel von Swedenborg (1688 bis 1772) nach bezeugten Quellen im Jahr 1759 gehabt haben soll: Er hatte eines Abends die Vision, dass im 450 Kilometer entfernten Stockholm, seiner Heimatstadt, ein Feuer ausgebrochen, aber einige Häuser vor seiner Wohnung zum Stillstand gekommen sei. Ein Bote hatte später seine Eingebung bestätigt. Professor Hans Schwarz, Ordinarius für Evangelische Theologie an der Universität Regensburg, studierte hierzu die zeitgenössischen Quellen und kam zu dem Schluss, dass Swedenborgs Bericht glaubwürdig ist.

Erstaunlicherweise gibt es aber eine Vielzahl von Menschen, die im Gespräch unter vier Augen von Erlebnissen berichten, die nach landläufiger Meinung als übernatürlich gelten. Aus Furcht, fortan als unglaubwürdig abgestempelt zu werden, scheuen die meisten von ihnen jedoch das Rampenlicht der Öffentlichkeit.

Hat die Naturwissenschaft etwas zu solchen Vorstellungen zu sagen? Inzwischen gibt es eine Reihe von namhaften Physikern, die solche Effekte für real halten. Dabei kommen sie zu dem revolutionären Schluss, dass es eine physikalisch beschreibbare Seele gibt. Das Fundament für die atemberaubende These liefert das quantenphysikalische Phänomen der Verschränkung.

Einstein ist auf Effekt der „Spukhaften Fernwirkung“ gestoßen

Bereits Albert Einstein ist auf diesen seltsamen Effekt gestoßen, hat ihn aber als „spukhafte Fernwirkung“ später zu den Akten gelegt. Erst in jüngerer Zeit hat unter anderen der Wiener Quantenphysiker Professor Anton Zeilinger den experimentellen Nachweis dafür geliefert, dass dieser Effekt in der Realität tatsächlich existiert. Und auch einer der renommiertesten Quantenphysiker der Gegenwart, Professor Hans-Peter Dürr, ehemaliger Leiter des Max-Planck-Instituts für Physik in München, vertritt heute die Auffassung, dass der Dualismus kleinster Teilchen nicht auf die subatomare Welt beschränkt, sondern vielmehr allgegenwärtig ist.

Der Dualismus zwischen Körper und Seele ist für ihn ebenso real wie der Welle-Korpuskel-Dualismus kleinster Teilchen, also die Tatsache, dass Licht beide scheinbar gegensätzlichen Formen annehmen kann: elektromagnetische Welle und „handfestes Teilchen“. Seiner Auffassung nach existiert auch ein universeller Quantencode, in den die gesamte lebende und tote Materie eingebunden ist. Dieser Quantencode soll sich seit dem Urknall über den gesamten Kosmos erstrecken.

Konsequenterweise glaubt Dürr an eine Existenz nach dem Tode. „Was wir Diesseits nennen, ist im Grunde die Schlacke, die Materie, also das, was greifbar ist. Das Jenseits ist alles Übrige, die umfassende Wirklichkeit, das viel Größere“, zeigt er sich überzeugt. Insofern sei unser gegenwärtiges Leben bereits vom Jenseits umfangen.

Ganz neu sind solche Ideen nicht, denn der Psychologe und Psychiater Carl Gustav Jung hat mit dem Physiker und Nobelpreisträger Wolfgang Pauli bereits ab 1947 einen lebhaften Briefwechsel geführt und nach einer physikalischen Deutung sogenannter Synchronizitäten gesucht. Dahinter verbergen sich Zufälle oder zeitnah aufeinander folgende Ereignisse, die nicht über eine Kausalbeziehung verknüpft sind, vom Beobachter jedoch als „sinnhaft“ und logisch empfunden werden.

Erstaunlicherweise wurde der intensive Briefwechsel zwischen Jung und Pauli über ein halbes Jahrhundert lang nicht weiter zur Kenntnis genommen. Offensichtlich war die Vorstellung, dass Seelenzustände und die unbelebte Welt miteinander verknüpft und aufeinander wirken sollten, der Forscherelite zu verwegen für eine ernsthafte Diskussion.

Schützenhilfe hat Vorreiter Dürr unterdessen vor Kurzem von dem Heidelberger Physiker Professor Markolf H. Niemz bekommen. Dieser glaubt, dass sich nach dem Tod eines Menschen die Seele mit Lichtgeschwindigkeit verabschiedet. Niemz lehrt an der Universität Heidelberg Medizintechnik. Daneben beschäftigt er sich intensiv mit der Nahtodforschung. Letztere lieferte die entscheidenden Impulse für seine These.

Betroffene fühlen sich in eine Art Tunnel hineingezogen

Bei einem sogenannten Sterbeerlebnis erfährt der Betroffene plötzlich das Gefühl, dass sich seine Seele von seinem physischen Körper trennt und über dem Schauplatz der Ereignisse zu schweben scheint. Nur Augenblicke später scheint sich eine Art Tunnel zu öffnen. In ihn fühlt sich der Betroffene „hineingezogen“ und schwebt bis zu einem hellen, nicht blendenden Licht an dessen Ende.

Bei diesem „Licht am Ende des Tunnels“ sieht Niemz Parallelen zu einer simulierten Reise in einem Raumschiff nahe der Lichtgeschwindigkeit. Dabei wird durch den sogenannten Searchlight-Effekt der Eindruck erweckt, als bewege sich alles von vorn auf den Betrachter zu. Einen ähnlichen Effekt beobachten wir bei einer Autofahrt durch winterliches Schneegestöber.

In ganz ähnlicher Weise führt dieser Effekt bei einem schnell bewegten Objekt, das sich mit annähernder Lichtgeschwindigkeit durch das Weltall bewegt, zu einer Bündelung der Lichtstrahlen von vorn, während die übrigen Teile des Alls mit Annäherung an die Lichtgeschwindigkeit immer dunkler erscheinen. Dabei hat der Betrachter das Gefühl, durch eine dunkle Röhre hindurch eine strahlende Lichtquelle am Ende dieses fiktiven Tunnels anzusteuern.

Auch Christian Hellweg ist von dem Quantenzustand des Geistes überzeugt. Der Wissenschaftler hat sich nach dem Abschluss seines Physik- und Medizinstudiums am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen jahrelang mit der wissenschaftlichen Erforschung der Hirnfunktionen beschäftigt. Seine These bringt er wie folgt auf den Punkt: „Die Eigenschaften des Geistigen entsprechen haargenau denjenigen Charakteristika, die die äußerst rätselhaften und wunderlichen Erscheinungen der Quantenwelt auszeichnen.“

Der vor zwei Wochen verstorbene, legendäre amerikanische Physiker Professor John A. Wheeler sagte: „Viele Physiker hofften, dass die Welt in gewissem Sinne doch klassisch sei – jedenfalls frei von Kuriositäten wie großen Objekten an zwei Orten zugleich. Doch solche Hoffnungen wurden durch eine Serie neuer Experimente zunichtegemacht.“

Last, not least macht auch der britische Kernphysiker und Molekularbiologe Jeremy Hayward von der Universität Cambridge aus seiner Überzeugung keinen Hehl: „Manche durchaus noch der wissenschaftlichen Hauptströmung angehörende Wissenschaftler scheuen sich nicht mehr, offen zu sagen, dass das Bewusstsein neben Raum, Zeit, Materie und Energie eines der Grundelemente der Welt sein könnte“, versichert er. Zusammenfassend kommt er zu dem Schluss, dass das menschliche Bewusstsein möglicherweise sogar grundlegender als Raum und Zeit sei.

Sollten sich die Thesen der Avantgarde unter den Physikern in nachfolgenden Forschungen bestätigen, dürfte dies unser Weltbild maßgeblich beeinflussen. So würden sich Naturwissenschaft und Religion fortan nicht mehr als Gegensätze gegenüberstehen. Vielmehr könnten sie sich komplementär ergänzen – geradewegs wie der rechte und der linke Schuh eines Menschen.

Der Text enthält Exklusivauszüge aus dem gerade erschienenen Buch des Autors „Die geheime Physik des Zufalls. Quantenphänomene und Schicksal“. Verlag BoD Norderstedt, ISBN 3833474203, Preis EUR 14.90.

© Axel Springer AG 2012. Alle Rechte vorbehalten

Schrödingers Katze – Die Revolution kommt in 50 Jahren

http://science.orf.at/stories/1678812

Katze mit zwei Augenfarben

„Die Revolution kommt in 50 Jahren“

Für Physiknobelpreisträger Anthony Leggett ist die Quantenmechanik nicht die ganze Wahrheit. Er glaubt, dass sie irgendwann von einer umfassenderen Theorie ersetzt wird, wie er in einem Interview verrät. Darin erzählt Leggett von Theorie-Exoten, Schrödingers Katze und ihren Verwandten aus dem Labor.

SCHRÖDINGERS KATZE18.03.2011

science.ORF.at: 1935 hat Erwin Schrödinger ein bis heute diskutiertes Gedankenexperiment mit einer Katze entworfen. Die Katze verhält sich, als lebte sie in der Quantenwelt. Sie ist weder tot noch lebendig, sondern gewissermaßen beides. Warum ist so ein Verhalten für ein Elektron völlig normal, für eine Katze aber offenkundig absurd?

Anthony Leggett : Eigentlich ist es sehr einfach: Katzen gehören zu den Dingen, die wir im täglichen Leben wahrnehmen können. Und es wurden eben noch nie Katzen beobachtet, die sich in so einer Überlagerung befinden. Wir Physiker nennen diesen Zustand Superposition.

Beobachtet wurde das noch nie – aber wäre es im Prinzip möglich?

Wenn man die Quantentheorie wirklich ernst nimmt, dann müssen auch Katzen in solchen Zuständen möglich sein. Also gibt es einen Widerspruch zwischen unserer Erfahrung und den Formeln der Quantentheorie.

Wie lässt sich dieses Problem lösen?

Anthony Leggett

Zur Person

Anthony Leggett wurde in London geboren und forscht an der University of Illinois, Urbana. Er wurde 2003 für seine Pionierarbeiten im Bereich der Suprafluidität mit dem Physik-Nobelpreisausgezeichnet. Forschungsgebiete: Supraleitung, Grundlagen der Quantenmechanik, Quantengase.

Am 18.3. hält Leggett an der Universität Wien im Rahmen der „Erwin Schrödinger Distinguished Lecture Series“ einen Fachvortrag, Titel: „Schroedinger’s Cat and her laboratory cousins“.

Nun, zuerst muss man sich die Frage stellen: Ist die Quantenmechanik eine vollständige Beschreibung der physikalischen Welt? Nehmen wir einmal an, die Antwort lautet ja. Dann gibt es eine Lösung, die ich als konservativ bezeichnen würde. Das ist die sogenannte Kopenhagener Interpretation der Quantenmechanik, die nebst anderen von Niels Bohr und Werner Heisenberg entwickelt wurde.

Wenn man diesen Ansatz verfolgt, kommt man zu der Aussage: Die Formeln der Quantenmechanik sind keine Beschreibung der Welt, sie sind nur Regeln, um etwas zu berechnen. Die Quantentheorie ist ein Rezept, ein Rechenschema, mehr nicht.

Ein Problem der Kopenhagener Interpretation ist: Sie nimmt an, dass es eine Grenze zwischen der Quantenwelt und der Alltagswelt gibt. Sonst könnte sie nicht erklären, dass es keine „lebendigtoten“ Katzen gibt. Nur sagt die Theorie nichts über solch eine Grenze.

Das stimmt. Man könnte aber konsequenterweise sagen: Die Frage der Grenzziehung stellt sich gar nicht, weil wir nur über die Messungen reden, die uns zugänglich sind. Und die gehören definitionsgemäß zur Alltagswelt. Was zwischen dem Experiment und der Messung steht, ist diesem Standpunkt gemäß gar kein Thema. Man interpretiert die Symbole nicht, sondern rechnet. So vermeidet man zwar Widersprüche, aber man kann auch keine Fragen mehr stellen. Viele finden das nicht befriedigend – ich übrigens auch.

Es ist auch wenig glaubhaft, dass Physiker nur Physik treiben, um Dinge zu berechnen. Letztlich wollen sie doch auch etwas über die Natur herausfinden.

Das ist der psychologische Aspekt des Problems: Wenn man Jahre damit verbringt, die Formeln der Quantentheorie richtig auf Experimente anzuwenden und dann hat das Ganze erst recht nichts mit der Welt zu tun – das ist doch deprimierend, oder? Aber viele jüngere Kollegen antworten mir: Der einzige Grund, warum uns das Schwierigkeiten bereitet, ist, dass wir in der Schule nur klassische Physik lernen. Würde die Quantentheorie schon in der Grundschule gelehrt, dann wäre dieser Standpunkt ganz natürlich.

Gibt es noch eine andere Lösung für dieses Problem?

Ö1-Sendungshinweis

Mit diesem Thema beschäftigt sich auch ein Beitrag im „Dimensionen-Magazin“, 18.3., 19.06 Uhr

Wenn man der Meinung ist, dass die Quantenmechanik die ganze Wahrheit ist, dann kann man auch die Gegenrichtung einschlagen. Dieser Ansatz wurde als Viele-Welten-Theorie bekannt. Er besagt: Man muss die Formeln der Quantentheorie todernst nehmen. Demnach befinden sich Katzen tatsächlich in einer Überlagerung zwischen tot und lebendig.

Wenn wir eine lebendige Katze beobachten, müssen wir uns fragen: Was ist mit jenen Formeln passiert, die die Katze als tot beschreiben? Sind sie einfach verschwunden? Die Viele-Welten-Theorie sagt: Nein, die tote Katze existiert ebenso. Unsere Welt besteht demnach aus einer ungeheuer großen Zahl von Parallelwelten, die alle gleich real sind. Und wir befinden uns zufällig in einem Zweig dieses Multiversums, in dem die Katze lebendig ist. Ich kann das allerdings nicht wirklich ernst nehmen.

Wie sieht ihre Lösung aus?

Es gibt einen Standpunkt, der dem meinem schon näher kommt. Er geht immer noch davon aus, dass die Quantentheorie die Welt vollständig beschreibt. Das ist die sogenannte Dekohärenztheorie. Ihr zufolge ist die Wechselwirkung zwischen Quantenobjekten und ihrer Umwelt dafür verantwortlich, dass sich erstere von ihren Überlagerungszustand verabschieden und entweder dies oder das sind – aber nicht beides zugleich.

Die Dekohärenztheorie sagt voraus, dass Katzen keine Überlagerungszustände aufweisen – so wie wir es auch im Alltag beobachten. Die Formeln stimmen meiner Meinung nach, nur glaube ich, dass man sie auch anders interpretieren kann.

Und zwar?

Man kann die Annahme, dass die Quantentheorie die ganze Wahrheit ist, ablehnen. Vielleicht gibt es noch ganz andere physikalische Gesetze, die zwischen der Elektronen- und Katzendimension ins Spiel kommen. Das ist eine Möglichkeit, die eine kleine Minderheit der Physikergemeinde sehr ernst nimmt. Ich zähle mich dazu.

Welche Theorie könnte die Quantentheorie ersetzen?

Das wissen wir nicht. Wenn meine Vermutung richtig ist, dann wird sich in den nächsten, sagen wir: 50 bis 200 Jahren eine Revolution in der Physik ereignen. Aber es gibt jetzt schon Erweiterungen der Quantenmechanik, die in diese Richtung gehen. Eine davon ist die Ghirardi-Rimini-Weber-Pearle-Theorie, die wir auch mit den gegenwärtigen experimentellen Möglichkeiten überprüfen können.

Was besagt die GRWP-Theorie?

Vereinfacht gesprochen: Sie postuliert ein Hintergrundrauschen im Universum. Die Wechselwirkung mit diesem Feld erzeugt die üblichen Quanteneffekte – aber sie erzeugt noch etwas anderes: Dieser Effekt bewirkt, dass sich Quantenüberlagerungen mit der Zeit für eine der vorhandenen Möglichkeiten entscheiden müssen. Und die Geschwindigkeit dieser, um einen anderen Begriff dafür zu verwenden, „Realisierung“ hängt davon ab, wie viele verschiedene Teilchen daran beteiligt sind.

Bei einem einzelnen Photon läuft die Realisierung sehr langsam ab. Deswegen können wir sogar bei Photonen, die von einem weit entfernten Quasar stammen, noch immer Interferenzmuster messen. Bei einer Katze, die aus sehr viel mehr Teilchen besteht, läuft dieser Prozess so schnell ab, dass ihn das menschliche Bewusstsein gar nicht wahrnehmen kann.

Von welchen Teilchen wird das Hintergrundrauschen verursacht?

Das ist zunächst nur eine Annahme. Die Theorie beantwortet diese Frage nicht.

Aber das könnte der Weg zum, um mit Einstein zu sprechen, „wahren Jakob“ sein?

Ich bin mir nicht sicher, dass sie am Ende des Tages die richtige Theorie sein wird. Aber sie weist in die richtige Richtung. Mein Bauchgefühl sagt mir: Sie ist nicht radikal genug. Wenn die nächste Revolution in der Physik kommt, wird sie noch weiter vom gesunden Menschenverstand entfernt sein.

Sie werden heute Abend an der Universität Wien einen Vortrag über Schrödingers Katze und ihre Verwandtschaft aus dem Labor halten. Haben sie ein Lieblingsmitglied aus diesem Verwandtschaftskreis?

Dazu muss ich sagen: Als einige Kollegen und ich in den 80er Jahren behauptet haben, dass man Versuche durchführen könnte, die für das Schrödinger’sche Gedankenexperiment relevant sind, wurden wir sehr hart kritisiert. Damals herrschte eben noch das Dogma: Quantenzustände werden nie bei makroskopischen Objekten beobachtbar sein.

Und nun kann man sie beobachten.

Genau. Mein Lieblingsbeispiel ist ein supraleitender Ring, „Flux Qubit“ genannt, der durch ein kleines Tor unterbrochen wird, durch das Elektronen wandern können. Im einfachsten Fall kennt das System zwei Zustände: Entweder fließt der Strom im Uhrzeigersinn oder gegen den Uhrzeigersinn. Und es gibt Messungen, die zeigen, dass hier eine Überlagerung auftritt.

Das heißt, es wurde bewiesen, dass der Strom gleichzeitig in beide Richtungen fließt?

Drücken wir es vorsichtiger aus: Die Experimente legen nahe, dass das die richtige Deutung ist. Genau genommen kann man ja eine Theorie nie beweisen. Markus Aspelmeyer, der hier am Wiener Physik-Institut forscht, arbeitet gerade an einem Experiment, das, sofern es funktioniert, auch extrem schön wird: ein Metallpartikel, das sich gleichzeitig an zwei Orten befindet.

Niels Bohr hat einmal gesagt: „Wenn man nicht über die Quantentheorie entsetzt ist, kann man sie unmöglich verstanden haben.“ Gilt das immer noch?

Absolut. Ich war kürzlich auf einem Kongress zum Thema „Das Konzept der Realität in der Physik“. Der fünfte Redner beendete seinen Vortrag mit der Bemerkung: „Es ist schon erstaunlich, dass nun fünf Leute gesprochen haben und völlig unterschiedliche Meinungen vertreten – wir können uns nicht einmal über die grundlegenden Dinge einigen!“

Interview: Robert Czepel

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