Die Kabbala und das mystische Energiesystem des Judentums

Im Artikel Spirituelle Wege – Teil 1 habe ich die Kabbala kurz erwähnt als eine Form der Spiritualität und Kern der jüdischen Mystik:

Die Qabbalah, wörtlich “Offenbarung”, “Enthüllung” beschäftigt sich mit der geheimen Überlieferung von den göttlichen Dingen und ist der Kern der jüdischen Mystik. Die Grundlehren der Kabbala versuchen, das Wesen der Gottheit zu beleuchten, die kosmologische Struktur der Welt, die Schöpfung von Engeln und Menschen, die Bestimmung der Welt und den inneren Sinn der offenbarten heiligen Schriften.

Während die Physik heute Weltbilder entwirft, die Nicht-Eingeweihten kaum verständlich sind, versuchten die Kabbalisten dasselbe mit anderen, intuitiven Mitteln. Trotzdem weisen die Weltbilder große Ähnlichkeiten auf.

Die Kabbala in einer Kurzfassung vorzustellen, ist nahezu unmöglich. Obwohl als Mystik des Judentums bekannt, liegt ihr weltlicher Ursprung bereits in den alten verschollenen Kulturen, der Legende nach soll Moses dieses Wissen als erster Mensch empfangen haben, am Berg Sinai, als der Busch brannte.

Als Werk gliedert sie sich in die zwei großen Abschnitte:

  1. Farbe, Zahl, Ton und Wort – Die höheren Formen der Offenbarung des Geistes in der äußeren Welt, in der Natur und ihren Erscheinungen. Sie sind die Urkräfte des Universums, aus denen sich alles aufbaut, was geschaffen ist.
  2. Der Lebensbaum – Spiegel des Kosmos und des Menschen

Empfehlenswerte Literatur: Heinrich Elijah Benedikt: Die Kabbala – als jüdisch-christlicher Einweihungsweg, Bauer Verlag, 2002

Das Buch von Heinrich Elijah Benedikt, sowie das Buch von Cyndi Dale Energiekörper des Menschen ist auch Grundlage der folgenden weiteren Betrachtungen.

Kabbala ist, obwohl sie eine Wissenschaft ist, eben keine Sache der Logik und des Verstandes. Das klingt zunächst paradox. Obgleich die Kabbala auch eine rationale Wissenschaft ist, ist sie aber doch ausschließlich darauf ausgerichtet, eine Schule zu sein, schöpferähnliche, schenkende Eigenschaften zu erreichen. Dies geschieht über das Enthüllen der Taten des Schöpfers, über das Verständnis, weshalb der werdende Mensch Gutem und Bösem, Freude und Leid unterworfen ist, und weshalb er in sein bestimmtes Umfeld gestellt wird. (aus: Kabbala-Info.net)

Lebensbaum

Lebensbaum

Aufbauend auf das feinstoffliche Energiemodell, scheint es interessant die Kabbala im diesem Kontext zu betrachten. Die verschiedenen Ebenen des Modells finden sich in der Kabbala wieder als Azilut (göttliches Ur-Licht), Beriah (luftiger Geiststoff), Jezirah (Astralstoff) und Assia (physisches), von der feinstofflichsten zur dichtesten Energieform.

Die Kabbala basiert auf der Vorstellung, dass jeder von uns ein Mini-Universum ist. Alle Kräfte des Universums stehen uns zur Verfügung. Der Baum des Lebens ist eine Anleitung dazu. Er symbolisiert die mikrokosmische und makrokosmische Sicht des Universums.

Der Baum entwickelt sich seit Anbeginn der Zeit – als es nur das Nichts (Daath) gab. Alles existierte in Daath, doch noch nichts hatte begonnen – bis sich das Göttliche durch neun Stadien der Manifestation entwickelte, um in einem zehnten zu enden, der physischen Verkörperung. Auf diese Weise bahnte und das Göttliche einen Weg zurück für unsere eigene Evolution – unseren Weg zur Erleuchtung.

Die zehn Sephiroth

Die Sephiroth sind Sphären des Bewusstseins. Dazwischen liegen 22 Linien, die die Sephiroth verbinden und den Buchstaben des hebräischen Alphabets entsprechen. Sie repräsentieren 22 Pfade der Weisheit und sind Tore zu höheren spirituellen Ebenen.

Sehen wir uns das Diagramm an, sehen wir

  • drei Horizontalen
  • sieben Senkrechten
  • zwölf Diagonalen

somit ist nicht nur die Anzahl der hebräischen Buchstaben mit den Verbindungslinien ident, sondern entsprechen diese auch den drei „Müttern“ (Aleph, Schin und Mem), den sieben „Doppelten“ und den zwölf „Einfachen“.

Die Sphären und ihre Bedeutungen

Kether, die erste Sphäre – Krone: Kether ist die Krone an der Spitze des Baumes, wo wir der vereinigenden Energie von Ajin Soph am nächsten sind. Dies ist unsere Quelle – der Ort, von dem wir herabgestiegen sind und zu dem wir nun wieder aufsteigen. Kether war die erste Manifestation der Schöpfung und symbolisiert die Einheit.

Chokmah, die zweite Sphäre – Weisheit: Chokmah lädt uns ein, Täuschung und unklares Denken hinter uns zu lassen und die wahren Wunder des Universums offenzulegen. Sie ruft unsere Gaben und besonderen Fähigkeiten auf den Plan.

Binah, die dritte Sphäre – Intelligenz: BinahHier ist das Verstehen zu Hause, die Leistung, vom weltlichen und kritischen Denken auf eine höhere Denkweise umzuschalten.

Daath, die Nicht-Sphäre, welche die Leere ist: Daath ist die Leere, aus der alles hervorgegangen ist und hervorgehen wird. Der Kreis ist nur angedeutet und findet sich auf Herzhöhe. Es ist der Ort des Gebetes, der inneren Einkehr, wo wir die innere Stimme hören und das innere Licht empfangen können.

Chesed, die vierte Sphäre – Güte: Chesed liegt allem menschlichen Streben nach Barmherzigkeit, Güte und Gnade zugrunde.

Geburah, die fünfte Sphäre – Stärke: Sind wir bereit, innere Stärke und Macht anzunehmen und zum Ausdruck zu bringen? Licht und Schattenseiten der Macht sind das Thema.

Tiphareth, die sechste Sphäre – Schönheit: Dies ist der Ort des wahren Wunders, wo wir die Sonne der Wahrheit in uns selbst finden. Tiphareth liegt im Zentrum des Baumes des Lebens – was seine Bedeutung unterstreicht. Hier werden wir gefragt, ob wir bereit sind, uns aus Liebe zu einem anderen Menschen ganz hinzugeben – bis zur Selbstaufgabe.

Netzach, die siebte Sphäre – Ewigkeit: Sinn und Bedeutung über das Fühlen erfassen. Die Welt ist voller Schönheit. Gewinnen wir die Einsicht, um diese Schönheit zu sehen.

Hod, die achte Sphäre – Herrlichkeit: Hod ist hauptsächlich der Kommunikation gewidmet. Hier werden wir ermutigt, mit höheren Ideen, Worten und Lehren zu arbeiten.

Yesod, die neunte Sphäre – Fundament: Yesod ist die Sphäre, in der alles möglich ist. Sie präsentiert die fundamentalen Bilder und Motive unseres denkenden Geistes und unserer Persönlichkeit. Hier formulieren wir die Vorstellungen und Überzeugungen, die sich in der physischen Welt manifestieren.

Malkuth, die zehnte Sphäre – Verbindung zur elementaren Welt: Malkuth ist unserem alltäglichen Bewusstsein am nächsten und beeinflusst unser physisches Leben sehr direkt. Sie bekommt Energie von allen anderen Sephiroth und ist die Letzte, in der sich der göttliche Funke inkariniert. Hier haben wir Zugang zum Göttlichen auf der physischen Ebene.

Der Baum des Lebens entspricht dem indischen Chakra-Modell, wenn es auf einen Körper gelegt wird. Eine Fülle von Erkenntnissen lassen sich aus dem Lebensbaum ableiten.

In einer anderen Schau zeigt sich Folgendes:  Dieses Bild symbolisiert den Menschen, dessen niedere Natur das Kreuz bildet, das den höheren, ewigen Menschen trägt. Auf dem Fundament des Kreuzes wird das ewige Leben aufgerichtet.

Kreuz trägt Stern des Messias

Kreuz trägt Stern des Messias

Älterer Artikel: Kabbala als Teil der Spirituellen Wege – Teil 1

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12 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. www.gold-dna.de
    Mrz 17, 2013 @ 10:44:42

    Hab Dank für diese Darstellung. Anbei die Frage, ob ich, im Rahmen meiner GOLDENEN PHI(L)HARMONIE, auf Deinen Text zurückgreifen darf ? Kann ich das Bildmaterial verwenden … man muss ja heutzutage immerzu um Erlaubnis fragen, denn wehe das Geheimnis des GANZEN käme zu schnell ans Licht 😉 ?!

    Interessant, wie manche Symbole immerzu eine Rolle für das Zusammenspiel des GANZEN darstellen, sei es der Baum oder aber die Schlange, oder gar Baum UND Schlange …

    Gruß

    Antwort

    • Violet Teki
      Mrz 17, 2013 @ 18:23:17

      Im kabbalistischen Lebensbaum steckt viel, viel mehr als ich in dieser Kurzdarstellung zeigen kann. Ehrlichgesagt sind die Bilder auch im Internet gesucht, ich gehe davon aus, dass ein wahrer Mystiker der Kabbala jetzt nicht klagt 🙂 Aber somit kann ich dir kein Recht weitergeben. Wikipedia hat aber auch eine gute Übersicht. Das Buch von Benedikt würde ich Dir jedenfalls ans Herz legen, falls Du Erstkontakt mit der Kabbala hast.

      Antwort

  2. Cayceportal
    Mrz 20, 2013 @ 11:46:08

    Da hast Du dir ja viel Mühe gegeben – DANKE!!! Das ist sehr interessant, so tief bin ich da noch nie eingestiegen, obwohl ich mich ab und zu mit der Kabbala beschäftigt habe. Aber da steckt ja so unendlich viel drin … Schön finde ich den letzten Satz: „Auf dem Fundament des Kreuzes wird das ewige Leben ausgerichtet.“ Darüber muss ich mal meditieren …
    LG von Stefanie

    Antwort

    • Violet Teki
      Mrz 30, 2013 @ 11:10:55

      Das sind dabei nicht einmal noch die Grundlagen der Kabbala. Ich habe dieses Buch und seinen Inhalt früher auch oft eher ignoriert oder nicht beachtenswert befunden, ohne sie noch gelesen zu haben. Im Prinzip bin ich heute aber der Meinung, dass sie wirklich fundamentales Wissen über den Aufbau der Welt enthält. Möglicherweise ist das Grund dafür, warum sich die Juden als auserwählt halten, dass ihnen dieses Wissen gegeben wurde.

      Antwort

  3. ralphbuttler
    Apr 28, 2013 @ 11:35:06

    Reblogged this on Auf dem Dao-Weg.

    Antwort

  4. hasemu10
    Apr 28, 2013 @ 12:57:49

    Sind wir nicht alle Juden?! Ich verneige mich tief vor dem Kreuz des Lebens.
    Wo will man Es finden!? Da ist niemand ausser dir. Der Letzte macht das Licht aus und hat die Tür verschlossen.

    Antwort

  5. Gerd Zimmermann
    Jun 07, 2013 @ 17:30:05

    „denn wehe das Geheimnis des GANZEN käme zu schnell ans Licht ?!

    Interessant, wie manche Symbole immerzu eine Rolle für das Zusammenspiel des GANZEN darstellen, sei es der Baum oder aber die Schlange, oder gar Baum UND Schlange …“

    Hallo Guido

    ich finde D(M)ich. egal ob Baum oder Doppelschlange. Die Dualität bewirkt das wohl. In welcher RaumZeit bin ich eigentlich hier? Juden. Davidstern, Heilige Geometrie.

    Fragen, Fragen, Fragen…..

    Ernsthafte Frage, wie fügt sich das Gesamtbild für ALLE zur HARMONIE ?

    Wie erklärt man GESAMTBEWUSSTSEIN ?

    Warum und Wofür ist die Welt so ? Kinderfragen ? Wie viele Tränen rollen in der Nacht wegen Einsamkeit ? Einsamkeit und der Wunsch nach Hause zu gehen.

    Wo Liebe noch gelebt wird. Ich will lieben und geliebt werden. Simple.

    Ich denke jeder Mensch denkt so einfach. Liebe gegen Liebe.

    Es gibt keine Schuldgefühle keinen Hass. Wer sich nicht verstehen kann, trennt sich. Der Schritt ist hart aber wichtig.

    Gruss in die Runde

    Gerd

    Antwort

  6. Violet Teki
    Jun 09, 2013 @ 10:34:57

    Lieber Gerd, ganz klar ist mir nicht, was Du uns sagen willst, aber Dein Kommentar bezog sich ja jedenfalls mehr auf den Kommentar von Guido, also lasse ich es mal so stehen. Liebe Grüße, Teki

    Antwort

  7. Gerd Zimmermann
    Jul 29, 2013 @ 17:43:38

    Interessant, wie sich doch der Kreis immerzu schliesst.

    Vor der Spiritualität wäre ich vor einiger Zeit noch davon gelaufen. Heute laufe ich ihr hinterher.

    Gruss Gerd

    Antwort

    • Violet Teki
      Aug 02, 2013 @ 15:31:51

      Ja, so können sich Ansichten ändern. Ich freue mich, dass Du den Wandel vollzogen hast, zu viel „nachlaufen“ soll man ihr aber auch nicht, sondern eher versuchen sie ins Leben zu integrieren, als Teil des Lebens zu sehen. Habe leider immer wieder „Spirituelle“ kennengelernt, die mir dann auch schon ein wenig Angst einflößten mit ihrer übertrieben Art. Lg, Teki.

      Antwort

  8. susanneveronika
    Apr 13, 2014 @ 18:40:01

    Ich glaube nicht, dass man die Kabbalah „verstehen“ kann. Eher ist es eine Möglichkeit der Meditation und Konzentration. Man richtet sein Augenmerk auf Symbole, weil man Fragen hat, die man beantworten möchte. Genausogut kann man sich auf etwas anderes konzentrieren. Wichtig ist die Frage und die Konzentration.

    Antwort

  9. Hagen_Unterwegs
    Sep 08, 2015 @ 08:41:43

    Danke für diesen kurzen und doch sehr informativen Beitrag zu diesem so umfangreichen Thema.

    Seit einigen Monaten mittlerweile schon arbeite auch ich mich durch die Kabbala-Bücher von Heinrich Elijah Benedikt. Und auch wenn ich auf der intuitiven Ebene viele „Aha“-Erlebnisse hatte und vieles, was ich da lese, mir seltsam vertraut vorkommt, so werde ich bestimmt noch eine ganze Weile brauchen, um diesen Komplex „Kabbala“ intellektuell einigermaßen zu durchdringen. 😉

    Gesegnete Grüße!

    Hagen Unterwegs

    Antwort

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