Warum Atheisten und sogenannte „Brights“ gerne Religion und Spiritualität (absichtlich) mit Amtskirchen verwechseln

Immer wieder lese ich Artikel auf Blogs von Atheisten und Brights. Brights soll vermutlich das belastete Wort „Atheisten“ auf ein höheres Niveau heben. Mit wenig Erfolg. Die Artikel, die auf den Blogs gepostet werden, sind ja oft durchaus interessant, das eigentlich dümmliche daran sind meist die Kommentare. Dort wird Religion und Spiritualität, meist aus Unkenntnis oder bewusster Verquickung mit den, zugegeben oft absurden, Regeln der sich entwickelt habenden Amtskirchen vermengt und damit ins Lächerliche gezogen.

Ein gutes Beispiel dazu ist Russischer Künstler will orthodoxe Kirche klagen, wenn kein Gottesbeweis erfolgt. Die Geschichte geht so:

“Einst wurde ich in der Kirche um 10 Rubel getauft. Als Gegenleistung wurde mir Beistand durch einen von Gott entsandten Engel versichert. Über mir und meinen Verwandten hätte die schützende Hand Gottes weilen sollen. Daran hatte ich geglaubt und über 15 Jahre lang ging ich in die Kirche um dafür zu beten. Ich habe gespendet, ich habe in den Kirchen eingekauft. Pro Jahr zahlte ich 400 Dollar an die Kirche. Aber statt Glück, Schutz und Gesundheit erhielt ich nur Krankheit und Probleme”, beschwert sich Vasiliy Melnichenko.

Das klingt ja total ulkig fürs Erste, sozusagen, ha, da verspricht mit wer Heil, Gesundheit und Schutz – das hat sich so nicht erfüllt, dann klage ich. Es zeigt damit leider die heute bis zur Perversion verkommene Idee, dass immer jemand Schuld sein und für alles Mögliche haften muss. Diese Tendenz hat sich in den letzten Jahrzehnten immer extremer entwickelt. Niemand will mehr an seinem Schicksal selbst schuld sein: wenn ich mir das Bein breche, dann muss der Pistenbetreiber, der Hausbesitzer, der Grundeigentümer, der Reinigungsdienst oder sonst wer schuld sein. Hier versucht jemand noch einen Schritt weiter zu gehen, in dem er die Kirche klagen will, weil er krank wurde oder sonstige Probleme hat. An wen wendet sich der bekennende Atheist in einer Welt ohne Gott oder Kirche? Da wird dann der säkulare Staat geklagt, weil man krank wird oder familiäre Probleme hat?

Sofort versucht der Artikel damit aber subtil zu zeigen: seht her! Der Mann ist klasse. Er klagt die Kirche, weil sie ihm was verspricht, und es nicht hält, damit ist alles Spirituelle und Religiöse Blödsinn. Auch ein Weltbild ohne Gott kann die versprochenen Dinge nicht halten: auch Atheisten haben Probleme, werden krank, werden wieder gesund oder sterben, scheitern, verzweifeln. Es ist das Auf und Ab im Leben.

Wer ist schuld? Nach rein materialistischer Weltsicht läuft der Mensch ja wie ein Uhrwerk, alles hat Ursache und Wirkung in der materiellen Welt. Leider bliebe dann aber kein Platz für den freien Willen. Denn wenn alles wie in einem Uhrwerk läuft, dann kann ich mich nicht entscheiden. Zufälle dürfte es nicht geben.

Hier macht man es sich einfach: ich zahl mal 400 Rubel an die Kirche und werde lebenslang glücklich sein. Auch wenn das selbst die Kirche so wohl kaum  verspricht, wird es so dargestellt. Und immerhin bezeichnen sich Kirchen selbst ja wohl immer noch als Glaubensgemeinschaften und nicht als Ärztezentrum mit wissenschaftlichen Wohlfahrtsprogramm.

Immer wieder werden tradierte Erzählungen aus der Bibel, dem Koran oder anderen religiösen Büchern dazu benutzt, die daraus entwickelten Schlüsse der Amtskirchen so auszulegen, dass es falsch ist und somit jede Form von Göttlichkeit, Religion und Spiritualität nicht existieren könne, obwohl deren Existenz letztendlich bewiesen, nachgewiesen und für jedermann erkennbar ist.

Dass damit nur an den Materialismus glaubende Menschen, wie Atheisten es sind, sich einem sehr eingeschränkten Teil der Realität zuwenden, und einen Großteil des Existierenden geistig ausblenden, kann wohl nicht Begründung genug sein, diesem Weltbild allzu großen Raum zuteil werden zu lassen.

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. windvilla
    Dez 01, 2012 @ 21:31:17

    Gut geschrieben!

    Antwort

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