Blogresümee: Spiritualität zwischen Beweislast und Esoterik

Anlass über den Sinn, das bisher geschriebene und die Zukunft dieses Blogs nachzusinnieren, war ein Kommentar zu meinem Artikel von dastorlosetor Michael, warum mein Blog „Neue Spiritualität und Ethik“ heisst.

Dazu will ich mal auf meinen allerersten Beitrag „Motivation“ zurück blicken:

Hier entsteht eine Artikelserie rund um das Thema Spiritualität und Ethik, wie ich sie sehe.

Dabei wird es sich um meine Meinung handeln, die aber natürlich von spirituellen, religiösen, weisen Menschen inspiriert ist. Es geht mir nicht darum, neues zu erfinden, sondern Bestehendes und Gedachtes zu ordnen und Grundzüge und Gemeinsamkeiten für eine Neue Spiritualität zusammenzutragen.

Das Wort Religion möchte ich in diesem Zusammenhang so weit wie möglich vermeiden, da der Begriff für mein Verständnis zu negativ besetzt ist, zu sehr mißbraucht wird, was ich an und für sich sehr traurig finde, aber Religion wird einfach immer nur für Amtskirchen verwendet, was dem Wort re-ligio nicht gerecht wird.

Dabei werden auch Themen der wahren Esoterik nicht zu kurz kommen, Zusammenfassungen von Literatur, alten und neuen Büchern.

Was wollte ich also anfangs? Einerseits all das, was ich zu dem Thema Spiritualität, Esoterik, Religion gelesen und verinnerlicht habe, in Artikel fassen – für mich selbst und natürlich um mit anderen darüber zu diskutieren. Um daraus (m)ein Weltbild festzuhalten.

Relativ bald folgten Artikel wie Das Ende der Trennung von Religion, Spiritualität und Naturwissenschaft und Bist du gläubig? Ja, Gott ist doch naturwissenschaftlich beweisbar!

Damit begann etwas, was ich eigentlich ursprünglich nicht beabsichtigt habe. Ohne zu ahnen, dass ich in ein Wespennest stosse, kommentierte ich einen Artikel auf einem Atheismus (Blasphemie)-Blog, den wohl jeder hier finden kann, für den ich aber keine weitere Werbung machen möchte.

Mein damals zaghafter Kommentar in der Art, doch etwas mehr Toleranz walten zu lassen gegenüber Gläubigen, Gott ist doch sowieso beweisbar, brachte mich in Kontakt mit fundamentalistischen Atheisten. Mir war vorher nur bekannt, dass es Atheisten gibt, also Menschen, die nicht an Gott glauben. Ende. Dass damit aber ein ganzer Rattenschwanz an Folgen verbunden ist, dass damit oft nur Häme, Spott und Verarschung Gläubiger verbunden ist, dass damit ein Weltbild der Pharma-, Atomlobby, der Skeptikerbewegung verbunden ist, dass alles was nicht dem mechanistischen Naturwissenschaftsbild der Mitte des vergangenen Jahrhunderts verbunden ist, abgelehnt wird – all das war mir neu.

Dabei war ich doch seit meiner Jugendzeit immer weniger religiös im Sinne des katholischen Glaubens, in dem ich durchaus erzogen wurde (bzw. war der Versuch da mich dahin zu erziehen), da mir das alles suspekt vorkam und ich mich mit östlichen Lehren, mit Meditation, mit autogenem Training zu befassen begann. Trotzdem war bei mir nie ein Zweifel, dass der Körper nicht alles ist, dass es etwas Göttliches gibt.

Und so freute ich mich als naturwissenschaftlich ausgebildeter Jugendlicher über die Tendenz der Esoterik, der Spiritualität in den Büchergeschäften. Während in den achtziger Jahren Bücher zu solchen Themen kaum zu finden waren, begann sich die Bücherläden zu füllen, ganze Abteilungen entstanden und zeigten für mich die Tendenz, dass Göttlichkeit und Naturwissenschaft sich nicht ausschließen, dass sie nichts Gegensätzliches sind, dass zumindest theoretisch unser außerkörperliches Bewusstsein auch naturwissenschaftlich erklärbar wäre.

Nun spürt ich aber über diverse Kommentarstreits, Recherchen und Kommentare, die ich zu meinen Artikel erhielt, dass neben der spirituellen Strömung auch eine verbissene Strömung der Ablehnung alles spirituellen sich verstärkt.

Das lockte ihn mir den Wunsch der Beweisführung auf naturwissenschaftlicher Ebene. Aus genau diesem Grund entstanden viele Artikel zu dem Thema, Bücherzusammenfassungen, Beweise, einfach auch um Argumente zu haben.

Schon ein wenig bevor Michael, dastorlosetor, mich darauf aufmerksam machte, war in mir aber auch bereits die Überlegung, wozu das alles? Eigentlich wollte ich mit dem Blog Menschen verbinden, die (zumindest) ähnlich denken, Ideen, Themen rund um Spiritualität, Esoterik und Religion und Glauben festhalten, vertiefen und nicht eigentlich Atheisten bekehren.

Zurückblickend ist es für mich aber auch ein Lerneffekt, nämlich, dass es Menschen gibt, die die Verbindung zu Ihrer Seele verloren haben und sie mit aller Vehemenz bestreiten und das mit dem rationalen Denken begründen. Ich dachte dieses Denken wäre überwunden, aber es gibt es noch.

Nach wie vor interessiert mich Esoterik, das Erfassen durch Wahrnehmung, das Spirituelle, das Nicht-Begreifbare und die ethischen Konsequenzen daraus – und natürlich auch vereinzelt Berichte, Entwicklungen rund um „Paranormales“ und wie die Naturwissenschaft in Zusammenarbeit mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen beginnt, das Spirituelle zu erfassen – für mich gelten beide Bereiche: die Welt der Tausend Dinge, aber auch der Weg nach Innen.

Denn ich glaube nichts anderes wollte Jesus uns sagen: glaubt nicht an die vielen (damals üblichen und möglicherweise auf mythischen Legenden über Ausserirdische Besucher in grauer Vorzeit aufbauenden) Götter, denn es gibt nur einen wahren Gott und der ist in Dir!

Gerne zitiere ich hier auch die von Michael gemachten Aussagen zu Esoterik und Spiritualität:

“Esoterik” beschäftigt sich mit Dingen, die unseren 6 Sinnestüren (Augen, Ohren, Nase, Geschmack, Tastsinn und Denken/Bewusstsein) zugänglich sind. So “paranormal” diese Dinge auch sein mögen, angefangen bei irgendwelchen Kornkreisen, über die Existenz Außerirdischer bis hin zu Engelsvisionen oder anderen Erscheinungen, sie gehören allesamt der  r e l a t i v e n  Welt, der erfahrbaren, der “denkbaren” Welt an. Es sind Erscheinungen und als solche nur Manifestationen des Einen Geistes (oder Gottes oder wie man es auch nennen möchte). Es sind Konzepte, Interpretationen, Vorstellungen unseres (äußerst beschränkten) Geistes und haben mit dem Wahren Wesen der “zehntausend Erscheinungen”, wie Laotse sie nennt, nichts zu tun.

Spiritualität hingegen widmet sich gerade dem n i c h t  Begreifbaren, n i c h t  Erklärbaren, dem n i c h t  mit den 6 Sinnen Wahrnehmbaren. Im Gegenteil: In der spirituellen Praxis ergründet man das Wahre Wesen der Erscheinungen gerade durch das Loslassen der konditionierten Strukturen unseres Geistes, unserer Begrifflichkeiten, Interpretationen, Analysen, Erklärungsversuchen. All das erkennt die Spiritualität als Illusion.

Und weiter, weil es wertvolle Worte sind:

Auch würde niemand, der sich der spirituellen Wahrheitsergründung mit Hingabe und Leidenschaft widmet, versuchen, irgend etwas zu beweisen, denn der Beweis entstammt immer auch nur dem begrenzten Konzept-Kontext unseres Geistes, des Denkbaren; geschweige denn, dass er irgend jemanden von seiner Sichtweise zu überzeugen versuchen würde. Diese Vermeidung von “richtig” und “falsch” zeichnet Spirituaität ja gerade aus, vermeidet sie doch nicht zuletzt damit auch Gewalt in Form von Trennung und Polarisierung.

Schließlich käme kein spirituell Praktizierender auf die Idee, jemanden, der seine Ansicht nicht teilt, als “Unbelehrbaren” oder “Ungläubigen” zu bezeichnen. Und täte er es, dann mit größter Achtung, Respekt und Freude, denn etwas Besseres kann dem Spirituellen ja gar nicht passieren, als sich nicht überzeugen zu lassen, sondern die Dinge selbst zu erfahren, UNMITTELBAR! Solange wir jemandem glauben sind wir nur “Menschen aus zweiter Hand”, wie Krishnamurti es formulierte. Ich kann jeden unbelehrbaren Skeptiker und Ungläubigen nur beglückwünschen :o ).

All das um zu sagen: Wer immer sich daran erfreuen kann, sich Themen wie denen dieses Blogs zu widmen, Beweise für das auf den ersten Blick Paranormale oder Übernatürliche zu finden, mag dieses getrost tun – mich jedenfalls soll es nicht anfechten. Nur möge ein solcher eingedenk sein, dass weder die Herangehensweise an die Themen noch die Themen selbst irgendetwas mit Spiritualiät zu tun haben.

Und gerade zum letzten Absatz möchte ich festhalten: es soll Dich keineswegs anfechten, sondern Erfahrungen, die spirituelle praktizierende machen mit Aussagen und Gedanken aus der Wissenschaft verbinden und untermauern.

Das war eigentlich ein Ziel dieses Blogs.

Und ich Zukunft suche ich mehr den Gedankenaustausch mit Spirituellen und esoterisch interessierten Menschen als die total Konfrontation mit Atheisten, da wie Michael es andeutete, das Erkennen nur durch sich selbst stattfinden kann.

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15 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Catio
    Jul 29, 2012 @ 19:00:08

    Abgesehen davon, dass Gott naturwissenschaftlich nun wirklich nicht beweisbar ist (das behauptet ja nicht einmal die Kirche) muss ich aber in einem zustimmen. Es ist seltsam, dass viele Atheisten beim Stichwort „Religion“ ein merkwürdig reflexartiges Beissverhalten an den Tag legen. Ich hatte das ja vor kurzem in meinem Blog bezüglich der Beschneidungsthematik unter dem Titel Atheistische Irrwege beschrieben. Später habe ich mir dazu noch einmal Gedanken gemacht, und ich denke inzwischen, dass diese heftigen Reaktionen wahrscheinlich eine natürliche Reaktion auf jahrhundertealte und zum Teil extreme Bevormundung seitens der Religionen ist. Es erinnert mich ein wenig an den pubertären Generationenkampf im Elternhaus, bei dem die Kinder mit teils heftigen Abwehrreaktionen sich von den Eltern lösen. Insofern war auch die in meinem Artikel gewählte Bezeichnung „fundamentalistischer“ Atheisten falsch; pubertär wäre sicher zutreffender gewesen.
    Es ist auch nichts dagegen einzuwenden, wenn es bei Diskussionen „hart“ zur Sache geht, aber bei solchen Diskussionen, wo dann dieses Beissverhalten zutage tritt, was sich zumeist in persönliche Angriffe ergießt, steige ich auch dann aus, wenn sie ansonsten argumentativ auf meiner Linie liegen. Zwar muss ich als Atheist keinen Respekt vor den Religionen haben, aber vor dem Menschen, der sie in sich trägt schon. Nicht deshalb, weil er religiös oder spirituell ist, sondern weil er schlichtweg ein Mensch ist.

    Allerdings gibt es die fundamentalistischen (und auch die pubertären) Brüder und Schwestern überall : bei den Gläubigen, Atheisten, Spirituellen, Skeptikern, Esoterikern und Wissenschaftlern genauso wie es bei all den genannten auch gelassene und respektvolle Menschen gibt. Da ist wirklich keine Gruppierung im Durchschnitt besser.

    Antwort

    • Violet Teki
      Jul 30, 2012 @ 21:53:27

      Das ist sehr gut analysiert. Vermutlich trifft man aber auch meist auf diese pubertierenden Atheisten, weil es ihnen eben wie du sagst um Widerstand geht, beissen. Und ich hatte bisher auch ein neutrales Bild von Atheisten, sah es als auch existierendes Weltbild an, nur die Aggressivität in der Konfrontation, gepaart mit Beleidigungen, Überheblichkeit und wissenschaftlichen Anspruch war mir neu und hat mich erschüttert, weil, auch wenn sie es bestreiten, eine Ideologie durchsetzen wollen, mit Wahrheitsanspruch wie der Papst.
      Und sie setzen immer den sehr reglementierten „Glauben“ der Amtskirchen mit Spiritualität an sich gleich. Ersteren lehne ich persönlich zum Teil an, letzteres ist mir sehr wichtig.
      Gott ist keinesfalls ein „übernatürliches Wesen“ eher das gesamte geistige Bewusstsein, das außerhalb des raumzeitlichen Gefüges besteht, somit aber Teil von Allem was ist. Das mag man bestreiten, dass es existiert, noch, aber ich meine, dass sich bald etwas tun wird in naturwissenschaftlicher Erkenntnis zu dem Thema. Es tut sich ja genug, ich meine eher einen entscheidenden Durchbruch, den alle anerkennen.
      Immer nur diese Beweislastumkehr und der Vergleich mit Russels Teekanne ist mir zu wenig und zu einfach.

      Antwort

  2. Catio
    Jul 29, 2012 @ 19:58:44

    Übrigens, ich hatte das noch vergessen: Spiritualität hat nichts mit Esoterik zu tun. Wenn Du Dich damit etwas näher beschäftigen willst, so empfehle ich Dir einen Artikel auf Scienceblogs, in dem Martin Bäker eine Lanze für die Spiritualität gebrochen hat. Ganz besonders wertvoll sind die Ausführungen Monods in den Kommentaren (ziemlich zum Ende hin), der sehr klar und überzeugend erklärt, was Spiritualität bzw. Meditation ist, wie man dort hin kommt und worauf man achten muss. Auch wenn die über 400 Kommentare etwas viel sind – es lohnt sich.
    Hier der Link:
    http://www.scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2011/05/eine-lanze-fur-die-spiritualitat.php

    Antwort

    • Violet Teki
      Jul 30, 2012 @ 21:56:58

      Danke für den Hinweis, habe mal den Artikel gelesen, die Kommentare werde ich bei mehr Zeit meinerseits durchscrollen. Scienceblogs scheint halt auch sehr „fundamentalistisch“, aber dass dort auch mal erste Lanzen gebrochen werden, ist ein gutes Zeichen. Ich nähere mich dem Thema gerne von allen Seiten.

      Antwort

  3. WhiteHaven
    Jul 30, 2012 @ 14:07:44

    Ha, der Begriff „fundamentalistischer Atheismus“ finde ich witzig, das wären wohl eher dann Anti-Theisten… ich glaube das auch Atheisten psychologisch, ästhetisch und ethisch gut drauf sein können, nur brauchen sie halt um einen Garten schön zu finden, nicht auch noch die Vorstellung das Elfen drin herumschwirren… ja… ich finde das habe ich jetzt nett ausgedrückt 🙂 ein toleranter Atheist würde auch eher sagen das es wahrscheinlich… (hey was für ein interessantes Wort… auch gerade in diesem Zusammenhang: Wahr – Scheinlich, also ein sowohl als auch, grau… ) ist, das es keinen Gott gibt.

    Antwort

    • Violet Teki
      Jul 30, 2012 @ 22:01:22

      Ja, der Vergleich ist gut 🙂 mir kommt nur manchmal vor, sie finden den Garten nicht schön, sondern vermessen ihn nur geistig 🙂 Gegen tolerante Atheisten ist auch nichts einzuwenden, denke die meisten Menschen im Umfeld sind tolerante Atheisten.
      Nur auf Naturwissenschaft wird man kein ethisches Weltbild aufbauen können, weil sich die Naturwissenschaften eigentlich jeder Wertung zu enthalten hätten. Werten sie aber, dann ist es eine Weltanschauung.

      Antwort

  4. WhiteHaven
    Jul 30, 2012 @ 22:19:53

    Nun, ich glaube wenn Ethik eine Form hat, dann ist sie rund und nicht eckig, kantig alldieweil Ethik immer die optimale Lösung ist und rund kommt in der Naturwissenschaft, Mathematik, Geometrie etc. schon vor… dein Avatar z.Bs. ist auch rund 🙂 hhhmmm… der gut ausgebaute Lemberger trocken, den ich gerade trinke, schmeckt auch rund 😉

    Antwort

  5. Cayceportal
    Aug 06, 2012 @ 10:28:04

    Interessanter Artikel! Besonders diese Aussage:
    „Zurückblickend ist es für mich aber auch ein Lerneffekt, nämlich, dass es Menschen gibt, die die Verbindung zu Ihrer Seele verloren haben und sie mit aller Vehemenz bestreiten und das mit dem rationalen Denken begründen. Ich dachte dieses Denken wäre überwunden, aber es gibt es noch.“

    Meiner Ansicht nach wird es immer Menschen geben, die so denken, erwarten, dass man ihnen gegenüber tolerant ist, selber aber eine gewisse Toleranz nicht praktizieren. Eigentlich müsste einem der gesunde Menschenverstand sagen, dass unsere fünf Sinne eben nicht alles sind, dass es noch etwas Höheres gibt als uns und unsere fassbare Welt und dass man dieses Höhere nur begrenzt mit den uns hier zur Verfügung stehenden Möglichkeiten beweisen kann. Für mich ist jeder Beweis welcher Art auch immer nur vorläufig, denn wie oft kommt es vor, dass ein solcher revidiert, überarbeitet oder sogar verworfen werden muss, weil neue Erkenntnisse etwas ganz anderes hervorbringen.

    „es gibt nur einen wahren Gott und der ist in Dir“ hast Du auch geschrieben. Das erinnert mich an eine schöne Geschichte von einem Kind in der Sonntagsschule, das begeistert dem Vater erzählte: „Stell Dir vor, Gott ist nicht nur da draußen, sondern er ist auch in mir, und da kann ich mit ihm sprechen, wann immer ich will!“

    LG,
    Stefanie

    Antwort

  6. Violet Teki
    Aug 06, 2012 @ 20:04:47

    Liebe Stefanie!
    Habe schon mehrmals in Deinem Blog gestöbert und bewundere, wie eingehend und umfangreich Du dich mit Edgar Cayce beschäftigst. Eine Fundgrube zum Lesen. Danke dafür.
    Ja, das wichtigse ist offen zu bleiben für Neues. Ich denke, mein Weltbild hat sich im kleinen schon öfter geändert, es gibt Dinge, derer ich mir sicher bin, es gibt Dinge, von denen ich glaube, dass sie stimmen und es gibt Dinge, bei denen ich zweifle. Die Summe des Gelesenen, Gehörten und Erfahrenen macht vieles meiner Überzeugungen aus. Ich versuche Ideen und Konzepte in anderes zu integrieren und dadurch ein Bild zu bauen, von dem ich meine, dass es stimmen könnte.
    In dem Moment, wo man ohne Toleranz gegenüber anderen Meinungen, stur eine Linie vertritt und nicht mal bereit ist, andere Überlegungen einfliessen zu lassen, bildet sich eine „Sekte“ (im negativen Sinn des Wortes) – egal ob als Einzelpersonen oder in einer grossen Gruppe. Natürlich fällt es mir am schwersten, den Argumentationen von militanten Atheisten gegenüber offen zu sein, trotzdem verläuft die Diskussion meist von Angesicht zu Angesicht friedlich und viele denken ja auch nach. Nur im Internet, im anonymen Bereich trifft man halt meist auf extrem starre Ansichten.
    Ja, ich bin der Überzeugung, dass die wesentlichste Lehre Jesu war, dass es „nur einen Gott“ gibt, nämlich in uns – und nich wie damals sehr verbreitet die Ansicht war, dass es tausende Götter gibt, die man zu sehr personifiziert hat – meiner Meinung nach aus Legenden über Ausserirdische (in Richtung v. Däniken) – das ist aber zB so ein Thema wo ich nicht sehr sicher bin.
    Leider wurden die Lehren Jesu zu verfremdet und in ein menschenfeindliches System, die katholische Kirche, gepackt, die zwar heute nach aussen hin wieder sehr offen ist, aber im Inneren leider sehr starr. Interessant finde ich die Ansätze der Altkatholiken.

    Antwort

  7. dastorlosetor
    Aug 11, 2012 @ 13:09:58

    Namasté!
    Vorab: Ich freue mich, dass mein Kommentar Dich dazu angeregt hat, all diese klärenden Worte zu schreiben – ja, auf eine Weise fühle ich mich geehrt … Und ich verstehe nun ein bisschen besser … Daher möchte ich das jetzt auch einfach einmal so stehen lassen. Nur eines:
    Du schreibst: „Und ich Zukunft suche ich mehr den Gedankenaustausch mit Spirituellen und esoterisch interessierten Menschen als die total Konfrontation mit Atheisten“. Als ehem. buddhistischer Mönch und Lehrer der buddhistischen Geisteshaltung BIN AUCH ICH ATHEIST im klassischen Sinne. Ich mahne zur Vorsicht, nicht jede Form des Atheismus über einen Kamm zu scheren. Wer immer sich im Kosmos (oder wie ich bevorzugt sage: dem „Tao“) zuhause, beheimatet, aufgehoben fühlt, ist nach meiner Auffassung kein Atheist! Er benennt die schöpferische Kraft nur nicht und würde auch keine Aussagen eines „Gott in uns“ treffen oder Ähnliches treffen. Wer „Gott“ als das „Eine Prinzip“, wie es im Taoismus genannt wird, er f ü h l t, benötigt diese Aussagen nicht (selbst Meister Eckhart würde nicht von einem „Gott in uns“ sprechen, denn das wäre ihm noch zu dualistisch). Deswegen ist er aber noch lang kein Atheist. Von der Wortbedeutung her wohl? Nun, sobald mir jemand eine klare, allseits akzeptierte und unumstößlich Definition von Gott gibt, mag ich geneigt sein – oder auch nicht – mich ebenfalls als Atheisten zu bezeichnen. Solange – und darin unterscheide ich mich wohl von den meisten Atheisten – ich nicht präzise weiß, WAS Gott ist, kann ich auch nicht sagen, dass ich Gott ablehne, ergo bin ich kein Atheist, obwohl ich die Kriterien eines „Theisten“ nicht erfülle.
    Vielleicht gibt Dir auch dieser Kommentar einen Eindruck von der Tiefe, in der Du Dich bewegst – hier wollen Worte stets wohl gewählt sein, wenn man sie schon gebraucht.
    Mit Metta
    „Phra“ Michael

    Antwort

    • Violet Teki
      Aug 11, 2012 @ 19:23:39

      Als ehem. buddhistischer Mönch und Lehrer der buddhistischen Geisteshaltung BIN AUCH ICH ATHEIST im klassischen Sinne.

      Wenn alle Atheisten auf diese Weise „atheistisch“ wären wie Du, dann wäre mir viel wohler im Herzen. Es zeigt mir aber, dass Du noch nicht auf die neue harte Schule der Atheisten getroffen und mit ihnen diskutiert hast.

      Glaube mir: dort wird man Dich nicht als Atheisten durchgehen lassen, sondern genauso wie mich als Spinner ansehen. In deren Augen ist nur Atheist, wer jedenfalls nichts glaubt, außer was er sieht. Jedenfalls meinen sie, dass alles was der Mensch denkt, erfährt im Gehirn gespeichert ist. Darüber hinaus gibt es nichts. Spiritualität, geistiges Bewusstsein ist alles Nonsense – Energien, die Du spürst sind „bullshit“, „Humbug“, …. bzw. ähnlich nette Ausdrücke werden dort gebraucht.
      Du könntest Dich auf deren Blogs auf die einer oder andere Diskussion einlassen, aber ich würde es nicht empfehlen – es geht an die eigene emotionale Substanz. Das war, was ich damit meinte, dass ich keine Lust mehr auf solche Diskussionen habe, sondern eher mit spirituellen oder esoterischen Menschen Gedanken austauschen möchte.

      Antwort

  8. dastorlosetor
    Aug 11, 2012 @ 13:27:27

    PS: Kleiner Nachtrag 😉
    Ich bleibe übrigens dabei – der Begriff „neue Spiritualität“ ist gänzlich verfehlt. Es gibt keine neue, keine alte, keine gute, keine schlechte Spiritualität. Es gibt nur Spiritualität.

    Kleines Gedankenspiel – wo Du doch so gern reflektierst ;): Wie soll es eine neue und eine alte Spiritualität geben, wenn es doch nur „JETZT“ gibt? 😉
    Mit Metta

    Antwort

    • Violet Teki
      Aug 11, 2012 @ 19:30:20

      Damit gebe ich Dir recht, dass es keine alte und eine nun neue Form gab oder gibt. Es war wohl eher von Anfang an so gemeint, dass Spiritualität in der jetztigen Zeit „erneut“ mehr Bedeutung erlangt, somit eine Art „Neue Spiritualität“ erkennbar ist, eine die nicht nur wie in bisherigen Zeiten wenigen Auserlesenen vorbehalten war, sondern viel mehr Menschen möglich ist, zu erfahren – so sehe ich es jedenfalls. Vielleicht auch „neu“ im Sinne, dass teilweise sehr „verstaubte“ Religiosität der monotheistischen Kirchen vielleicht Menschen abschreckt, sie aber den Glauben, das Wissen um „etwas Göttliches“ nicht verlieren und „neue Wege“ gehen. In der Form waren wohl meine Gedanken.
      Weder wollte ich, noch will ich in Zukunft irgendeine „Neue Spiritualität“ erfinden oder begründen.
      Falls Dir ein inspirierender Blogtitel und/oder Bloguntertitel für das was ich im Blog tue, einfällt, freue ich mich über Vorschläge – vielleicht können die in ein „Update“ einfliessen.
      Liebe Grüße, Teki, der Violette

      Antwort

  9. dastorlosetor
    Aug 17, 2012 @ 00:21:32

    Namasté, Teki!

    So, endlich komme ich dazu, doch noch einmal ein paar wenige Sätze zu schreiben.

    Ich freue mich auch über die letzten Deiner Ausführungen zu diesem Thema und verstehe Dich jetzt besser. Und um das direkt vorweg zu nehmen: Ich bin gaaaanz weit davon entfernt, Dir in Deinen Blog hinein zu pfuschen, sei es in Form eines neuen Blogtitels oder was auch immer. Mach einfach weiter, was Du machst … wie sagt man bei Euch so schön: „Passt scho!“

    Ich komme ursprünglich halt aus dem ZEN, und diese Geisteshaltung hat mich sehr geprägt. Sie hat ihre Quelle in Einfachheit und in Minimalismus – und je mehr „Drum herum“ um die Spiritualität erschaffen wird (und das bezieht sich auch auf Rituale und Ähnliches [wobei ich auch wieder nicht grundsätzlich gegen Rituale habe]), desto hellhöriger werde ich. Und dann neige ich dazu, einfach einmal ein bisschen nachzuhaken, um zu schauen, was dahinter steckt … nun weiß ich, wie Du die Dinge siehst 🙂

    Du schreibst: Es zeigt mir aber, dass Du noch nicht auf die neue harte Schule der Atheisten getroffen und mit ihnen diskutiert hast. Oh doch, das habe ich. Ich habe mit der Hardcore-Fraktion der Atheisten und der christlichen Fundamentalisten diskutiert; aber das ist fruchtlos. Inzwischen vermeide ich wenn irgend möglich jede Diskussion im Sinne eines Streitgesprächs. Buddha sagt: „Lehre das Dhamma niemanden, der es nicht hören will!“ Das ist ein Aufruf zur „Missionierungslosigkeit“, und das finde ich großartig; denn seither geht es mir deutlich besser. Auch wenn ich zugeben muss, dass beizeiten auch bei mir wieder Gedankenstrukturen eines „Wie kann man nur so blöd sein? Will oder kann der / die mich nicht verstehen?“ durchbrechen *gg Aber ich übe mich in liebevoller Annahme – täglich, und täglich ein bisschen mehr. Mich ficht es nicht mehr an, wenn mich jemand als „Spinner“ betrachtet … nun … es ist sein Weg, und dieser Mensch leidet unter den Verkrampfungen, die seine anerzogenen Denkstrukturen in seinem Herzen und in seinem Kopf auslösen; Hass fühlt sich nicht schön an, auch nicht für den Hassenden – das wissen wir alle. Also ist der Hassende mit seinem Hass bereits bestraft … right?

    Wie auch immer … ich werde immer einmal wieder auf diesen Blog schauen und vielleicht das eine oder andere Mal ein bisschen was schreiben – wenn mir nicht zu esoterisch ist 😉

    Mit Metta
    „Phra“ Michael

    Antwort

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