Spiritualität ist die Zukunft – Teil 1

Im Folgenden möchte ich ein Werk zusammenfassen, von dem ich meine, dass es ein Standardwerk für die sich abzeichnende Änderung der Kultur im 21. Jahrhundert sein könnte.

Copthorne Macdonald „Spiritualität ist die Zukunft“ – Ein neue Weisheitskultur für das 21. Jahrhundert, erschienen auf Deutsch im Via Nova Verlag.

Einführung

Die Evolution des Bewusstseins. Der Übergang von der mytischen zur rationalen Weltsicht brachte einen Zuwachs an Faktenwissen und Sinnverlust. Sinn und ethisches Fundament könnten durch Entwicklung einer transrationalen Tiefenerkenntnis zurückgewonnen werden. In den sich entwickelnden Religionen des Judentums und Christentums wurden Glaubensüberzeugungen in Bildern und Mythen formuliert, welche buchstäblich ausgelegt wurden und so zu den starren Dogmen der Kirchen geführt haben. Die Zeit ab 1500 war mit einem allmählichen Übergang zur rationellen Weltsicht geprägt. Naturwissenschaften entstanden und Naturgesetze wurden formuliert. Die Glaubwürdigkeit der kirchlichen Lehren wurden durch Darwin, Kopernikus, Galileis Theorien erschüttert und die Menschen verloren bis ins 20. Jahrhundert das Vertrauen in die Kirchen als Hüterinnen der Wahrheit. Die Wissenschaft beantwortete zwar die zentrale Frage „Was geschieht hier eigentlich?“ weit besser als die Religion, die Fragen nach dem Sinn und „Was soll ich tun? Was soll ich lassen?“ wurden von ihr nicht einmal berührt, was auch wiederum zu Enttäuschung führte. Besonders Geisteswissenschafter, die philosophische, ästhetische und ethische Fragen behandeln, wollten sich nicht mit der Einstellung der Naturwissenschaften zufrieden geben, daß was nicht entdeckt und gemessen werden kann, nicht existiert.

Fortschritt und Wachstum wurden zum wichtigsten Thema, aber bald erkannte man die Grenzen des Wachstums und es kam zur Entwicklung gegenläufiger Tendenzen, insbesondere auch Selbsterfahrung in östlichenWegen. Es begann eine Entwicklung zu transrationalem Denken, zu Tiefenerkenntnis und Weisheit, gleichzeitig erfüllten sich in den meisten Lebensbereichen der Umwelt die schlimmsten Befürchtungen der Warner aus den 1960er jahren.

Die Kernthese des Buches lautet daher: Wenn wir die Lage der Menschheit nur gründlich, umfassend und klar genug verstehen, wird sich auch, für das Leben des Einzelnen wie für die Welt als Ganzes, zeigen, was getan werden muss. Deshalb wird für die Entwicklung der Tiefenerkenntnis, einer Weisheit, die breit vernetztes Wissen (Geistes- plus Natur- plus Sozialwissenschaften) und durch Introspektion gewonnenes Wissen harmonisch eingebettet sind, plädiert. Also ist die Tiefenerkenntnis Ergebnis zweier Aktivitäten:

  1. Erwerb relevanten intellektuellen Wissens durch Beendigung der Isolation von Natur-, Geistes- Sozial- und Wirtschaftswissenschaften und Verbindung aller.
  2. Streben nach Selbsterkenntnis im Sinne der Erforschung der eigenen Seele, was zur Erkenntnis führt, wie unser inneres, subjektives Leben abläuft, was weiterhin zu ethischen Einsichten und Verhalten, innerem Frieden und neuer Freiheit, ja sogar zur Erkenntnis der Ur-Realität führt.

Das Grosse Ganze

Die Naturwissenschaft informiert darüber, was geschieht, erklärt aber nicht, was es bedeutet. Bedeutung ist kontextabhängig und ergibt sich aus einem komplexen Beziehungsnetz. Klarheit über die Bedeutung von Dingen ist aber für ein erfülltes, reiches Leben unbedingt erforderlich, denn aus ihr ergeben sich Ziele und Orientierungen.

Das Wesen der Ur-Realität

Jede Beschreibung der Realität kann nach Wilber „richtig, aber einseitig“ sein, was bedeutet, dass, mag eine Beschreibung auch vollkommen richtig sein, sie notwendig einseitig ist. Für eine möglichst umfassende Erkenntnis der Realität sollen wir daher möglichst viele richtige, aber einseitige Perspektiven einnehmen. (Beispiel Physik: klassische Physik, Allgemeine Relativitätstheorie, Quantentheorie)

Es wäre ja möglich, sogar wahrscheinlich, dass eine umfassende Theorie entsteht, die all diese Facetten der Realität zusammenbündelt. Wheeler kombinierte die Theorien mit der Informationstheorie, dass alle physischen Dinge ursprünglich Information sind und wir in naher Zukunft fähig sein werden, alles Physikalische in der Sprache der Information zu verstehen und auszudrücken.

Quarks und Elementarteilchen stellen die Ur-Bausteine der Realität dar, welche aber nur eine Stufe über der Ur-Realität stehen. Aus der Perspektive der Physik ist Energie die Ursubstanz, jene Realität, welche diesen Ur-Bausteinen noch zu Grund liegt. Diese durch die Wissenschaft fundierte Vorstellung der Ur-Realität ist der durch Intuition fundierten Vorstellung sehr ähnlich, welche vor etwa 3000 Jahren in verschiedenen Teilen der Welt auftauchte (Upanischaden, Hindu-Philosophie, Laotse, Kabbala). Für Spinoza etwa war der Begriff für diese Ur-Realität „Gott“, nicht aber in der Form des persönlichen Gottes im Judentum, oder Christentum. Gott und Natur sah er nur als zwei Bezeichnungen für ein und dieselbe Realität.

Diese Sicht der Dinge begann für die moderen Wissenschaft mit Beginn des Informationszeitalters Sinn zu machen, erst in Form der Erkenntnisse über die DNS, für Computer und Radio und man lernte, dass jede Information einen Träger braucht. Information ist somit kein Ding an sich, sondern ein Muster signifikanter Differenzen, das irgendeinem realen Ding aufliegt oder von ihm getragen wird.

Weiterhin ist Energie erforderlich, die wie man feststellte unzerstörbar und wirklich allen Dingen zu Grund liegt. (1. Hauptsatz der Thermodynamik und E=mc²). Seit dem Urknall ist aus dem ursprünglichen Energiefonds – gelenkt von den Algorithmen der Naturgesetze – eine fast unendliche Menge sich forwährend verändernder Information entstanden. Damit kommt die moderen Wissenschaft zum Erstaunen vieler zum selben Bild der Wirklichkeit, wie wir es in den alten Schriften vorfinden, wenn auch die Ausdrücke anders waren.

Die Entwicklung der Informationskomplexität

Es folgt Geschichte der Evolution in ihrer allgemeinsten Form, um die Enstehung neuer, interessanter und sinnvoller Informationsmuster, jedweder, nicht nur biologischer Art, wie also aus dem Eine das Viele wird, aus Geist Natur oder  wie Energie ihren Informationsträger schuf. Komplexitätstheorie ist der Terminus für eine Anzahl Theorien, die auf unterschiedliche Weise ein Licht auf den Ursprung der Informationskomplexität werfen – beispielhaft werden Systemtheorie, Evolutionstheorie, Chaostheorie und  Netzwerk-Theorie genannt.

Ervin Laszlo beschreibt das Entstehen von geordneter Komplexität Schritt für Schritt als immer umfassendere Hierarchie natürlicher Systeme, Holons – Atom, Molekül, Zelle, Organismus, Arten, Ökosysteme, …

Im Rahmen der Systemtheorie werden die Hauptereignisse bei der Durchdringung des Universums mit Information aufgezeigt. Dabei vollzieht sich die Entwicklung von Teilchen zu Atomen, zu Molekülen gemäß dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, der aussagt, dass, auch wenn die Summe der Energie im Universum konstant bleibt, bei immer mehr Entstehung von Information weniger Energie verfügbar ist. Vereinigen sich Holons auf einer höheren Stufe, wird lokale Information geschaffen, während die lokale Entropie sinkt. Zwischen Energie, Entropie und Information bestehen mathematische Beziehungen.

Das menschliche Denken

Wir Menschen leben in einer inneren Welt subjektiver Erfahrungen. Neurologische Forschungen und Bewusstseinsphilosophie haben uns befriedigende Antworten auf Fragen zum Verhältnis zum materiellen Universum und den Gehirnstrukturen nähergebracht.

Geschichtlich entwickelten sich vier Strömungen:

  1. Cartesischer Dualismus (Materie und Geist vollkommen getrennt, René Descartes)
  2. Physischer Monismus (Thomas Hobbes, Universum nur materiell,  keine Existenz einer vom Körper getrennten Seele)
  3. Zweiseitger Monismus (Spinoza, Einklang mit Philosophia perennis,  es gibt nur einen Gott = Natur, es gibt nur eine Ursubstanz, in welcher Mentales und Phyisches verwurzelt sind)
  4. Idealistischer Monismus (Berkeley, Wirklichkeit ist etwas Mentales, Gottliches Bewusstsein und unterschiedliche Bewusstseinszentren)

Zur Überprüfung dieser Modelle, die sich gegenseitig ausschlossen und Untermodelle entwickelten, brauchte man empirische Kenntnisse und wissenschaftliche Daten. Zuerst versuchte man dies durch experimentelle Introspektion, welche später vom rein materiellen Behavourismus abgelöst wurde, auch die neurologische Forschung kam mehr in den Mittelpunkt der Untersuchungen.

Auf dem Weg zu einer Wissenschaft des Bewusstseins

In den 1990er Jahren kam es zur Entstehung von Periodika und einer interdisziplären Konferenzenfolge zur Entwicklung einer Wissenschaft des Bewusstseins, deren vorderste Frage als „Härtefrage“ bezeichnet wird

  1. Wie kann Bewusstsein aus Materie entstehen? bzw. warum sollte ein neuronales System bestimmter Komplexität das Phänomen Bewusstsein hervorbringen?
  2. Ist Bewusstsein ein Epiphänomen oder eine Ursache?
  3. Wie verknüpfen sich verschiedene Aspekte bewusster Erfahrung zu einem einzigen Erfahrungsfeld? (Verbindungsproblem)

So kam es zu einer Reduktion der Anzahl plausibler Theorien durch angewandte Forschungsergebnisse,  insbesondere des Cartesischen Dualismus, der Central-State-Theorie und der Epiphänomen-Hypothese.

Interessanter ist aber welche Theorien durch die Forschungen gestützt werden, dies ist inbesondere der Neuronale Informationsstrom und „Große Werkstatt“, das Bewusstsein als Ur-Phänomen, die quantenmechanische Sicht und der Pansensitivismus.

Die Informationsträger-Erklärung des Menschlichen Denkens sieht das Konzept vor, dass das Mentale ebenso fundamental ist wie das Materielle. Eine psychophysische Urrealität wäre dann nicht nur Träger physischer, sondern auch mentaler Informationen. Für die Funktion der Energie als mentaler Informationsträger verwendet sie die Bezeichnung Bewusstheit, auch wenn weitere Begriffe zur Auswahl stünden.

Seine Rolle und Funktionen sind:

  • Bewusstheit ist Grundlage, Medium und Träger des Denkens
  • Bewusstheit erlaubt bewusstes Erleben
  • Bewusstheit ist die subjektive Eigenschaft, die bei Erregung des Gehirns auftritt
  • Bewusstheit ist das lebendige Medium, das, mo
  • duliert durch Nerventätigkeit, zu mentaler Qualia wird – zu Denken mit Informationsinalten

Die Frage nach dem Ziel des Kosmos

wird fortgesetzt.

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